War Stiftungsunternehmen Schott: Schott-Chef Frank Heinricht: Dieser Manager biegt Glas

War Stiftungsunternehmen Schott: Schott-Chef Frank Heinricht: Dieser Manager biegt Glas

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Mainz Der Vorstandsvorsitzende Frank Heinricht präsentiert am Mittwochvormittag gute Zahlen des Mainzer Stiftungsunternehmens Schott. Der Umsatz des Spezialglasherstellers stieg im versetzen Geschäftsjahr 2020/2021 (bis September 2021) um 13 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging sogar um 35 Prozent nach oben – auf 390 Millionen Euro. „Es war ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr für Schott, wir sind sehr zufrieden“, sagte Heinricht in der Videokonferenz.

Ein genauerer Blick zeigt aber, dass beim Mainzer Unternehmen nicht alles rundläuft.

Zwar profitiert Schott von der Pandemie. Der Glashersteller, der zu 100 Prozent der Carl-Zeiss-Stiftung gehört, fertigt Pharmarohre. Daraus stellen die Mainzer selbst und andere Abnehmer die kleinen Fläschchen für Impfstoffe her. Die Corona-Boosterimpfungen sorgen hier für eine anhaltend hohe Nachfrage. Allein 2021 lieferte das Unternehmen Fläschchen für fünf Milliarden Impfungen.

Dieses Geschäft macht jedoch nur einen geringen Anteil des Wachstums aus. „Wir haben dadurch natürlich einen Zusatzumsatz erzielt, aber es sind nur ein bis 1,5 Prozent vom Gesamtumsatz“, sagte Heinricht. Das deutlich größere Wachstum sei aus dem Haushaltsbereich gekommen. Die Menschen hätten sich in der Pandemie stärker ins Private zurückgezogen, der sogenannte „Cocooning-Effekt“. Schott profitiert hier vor allem über seine Glaskeramik-Kochfelder – der Markenname „Ceran“ ist ein Synonym für das Produkt wie „Tempo“ für Papiertaschentücher oder „Föhn“ für Haartrockner. „Mittlerweile haben wir über 200 Millionen Kochflächen verkauft“, so der Unternehmenschef.

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Allerdings hat die Pandemie bei Schott auch negative Auswirkungen. So sind die Preise für Rohstoffe und Energie gestiegen, auch Probleme in den Lieferketten spüren die Mainzer. Zwar gebe es aktuell keine Engpässe bei den eigenen Rohstoffen, im Wesentlichen Lithium und Bor. Aber es gebe zuweilen Probleme bei der Auslieferung der Produkte, sagte Heinricht. Und wenn die Kunden ihrerseits die Waren nicht ausliefern könnten, werde auch bei Schott weniger nachgefragt.

Steigende Energie- und Rohstoffpreise belasten das Ergebnis

Deshalb erwartet Heinricht für das laufende Fiskaljahr ein eher moderates Wachstum von drei bis fünf Prozent. Das Ergebnis werde durch die steigenden Energie- und Rohstoffkosten belastet. „Das ist ein hoher zweistelliger Millionenbetrag, den wir finanzieren müssen“, sagte der Schott-Chef.

Heinricht führt Schott seit 2013, er wird am 2. März 60 Jahre alt. Das Unternehmen beschäftigt über 17.000 Mitarbeiter, davon 6000 in Deutschland. Neben dem Ceranfeld spielt auch das Pharmageschäft eine wichtige Rolle.

So hat das Unternehmen einen Träger aus Glassubstrat und Kunststoff entwickelt, der die Labordiagnostik erleichtern soll. In bis zu 130 kleine Näpfchen kann Blut geträufelt werden, ein Gerät kann dieses dann auf ebenfalls bis zu 130 Parameter zeitgleich analysieren.

Der Physiker und promovierte Ingenieur Heinricht setzt bei seinen Wachstumsplänen seit Jahren auf Innovation. 450 Millionen Euro will er im laufenden Geschäftsjahr in die Zukunft investieren, nachdem Schott schon im abgelaufenen Fiskaljahr mit 350 Millionen Euro einen neuen Rekord aufgestellt hat. „Damit legen wir den Grundstein für profitables Wachstum in den kommenden Jahren“, sagte Heinricht.

Deshalb will der Unternehmenschef den Blick auch weniger auf die aktuell stark gefragten Glasfläschchen für die Covidimpfstoffe richten, sondern mehr auf Innovationen wie ultradünnes, biegsames Glas. Spezielle Maschinen ziehen aus 1400 Grad heißem Flüssigglas Schichten mit einer Dicke von 30 bis 40 Mikrometern. Das ist in etwa der Durchmesser eines menschlichen Haars.

war Glas mit der Dicke eines Haars lässt sich stark biegen. Das ermöglicht neue Produkte, wie etwa klappbare Handys mit einem großen Bildschirm. Quelle: Schott

Ultradünnes Glas von Schott

Glas mit der Dicke eines Haars lässt sich stark biegen. Das ermöglicht neue Produkte, wie etwa klappbare Handys mit einem großen Bildschirm.


(Foto: Schott)

Das Glas bleibt biegsam, es fühlt sich fast an wie eine Folie. Seit zwölf Jahren arbeiten die Forscher von Schott inzwischen an dem Produkt. Mit Samsung gibt es auch einen ersten großen Kunden. Der koreanische Konzern nutzt das Glas für seine faltbaren Smartphones. Heinricht kann sich aber noch jede Menge andere Anwendungen vorstellen, etwa Laptops mit großen klappbaren Bildschirmen: „Das ist eine tolle Erfolgsgeschichte, die sich hier abzeichnet.“

Heinricht spricht mit Leidenschaft von der Technologie. Bevor er bei Schott einstieg, führte er das Hanauer Familienunternehmen Heraeus. Schon dort trieb er die Geschäfte wie heute bei Schott mit Innovationen voran, damals bei Edelmetallen.

Dabei sind es nicht immer die sogenannten Sprunginnovationen, also revolutionäre Ideen, die Heinricht vor Augen hat. Es geht ihm auch um die kleinen Ideen, Dinge, die aus bereits bestehender Technologie weiterentwickelt oder die für neue Anwendungen umgebaut werden. Damit soll Schott künftig im Schnitt jährlich um sechs Prozent wachsen. So sagt es die Langfriststrategie, die Heinricht 2020 präsentiert hat.

Schott ist solide finanziert

Doch ein Selbstläufer wird das nicht: Noch machen Ideen wie das biegsame Glas nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus. Viele der neuen Märkte müssen erst entwickelt werden. Zwölf Jahre Arbeit und Geld machen eine Innovation wie das biegsame Glas noch nicht zu einem Verkaufsschlager. Zunächst geht das Unternehmen damit ins Risiko.

Heinricht spricht in diesem Zusammenhang von den drei Is: Erst müssten die Innovationen, die Ideen da sein. „Dann kommt die Integration, wir müssen unsere Kunden überzeugen, das neue Produkt auch einzuführen.“ Danach würden die Investitionen folgen, etwa für den Aufbau der Fertigung.

Da hilft es, wenn man die Gesellschafter hinter sich weiß und sich nicht ständig gegenüber einer Vielzahl von Aktionären und Investoren rechtfertigen muss. Die Carl-Zeiss-Stiftung dürfte aktuell viel Freude an Schott haben. „Mit einer Nettoliquidität von 79 Millionen Euro und einer Eigenkapitalquote von 41 Prozent sind wir robust aufgestellt“, betonte Finanzchef Jens Schulte am Mittwoch.

Aber auch Schott ist nicht ohne Wettbewerb. Rivalen wie das US-Unternehmen Corning arbeiten ebenfalls an gläsernen Innovationen. Die Amerikaner haben das sogenannte Gorilla-Glas entwickelt, ein dünnes, besonders hartes Glas, das ebenfalls bei Smartphones zum Einsatz kommt. „Das ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen“, sagte Heinricht. „Aber bei unserem Ultradünnglas beträgt unser Vorsprung ein bis zwei Jahre. Das tut dem Wettbewerb schon weh, glaube ich.“

Zudem habe Schott gerade ein neues Coverglas für Smartphones entwickelt, das die doppelte Festigkeit aufweise, auch im Vergleich zur Konkurrenz.

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