Football NFL: Ben Roethlisberger vor Karriereende

Football NFL: Ben Roethlisberger vor Karriereende

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football Ben Roethlisberger bei seinem vermutlich letzten NFL-Spiel: Zuletzt wirkte er langsam und steif


Ben Roethlisberger bei seinem vermutlich letzten NFL-Spiel: Zuletzt wirkte er langsam und steif


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Colin E. Braley / AP


Immerhin die letzten Sekunden dieser Partie gehörten noch einmal Ben Roethlisberger. Aber bei näherer Betrachtung zeigte sich in ihnen die ganze Tragik eines Spielers, der mal ein Mann für Spektakel war, gezwungenermaßen aber zum Pragmatiker mutierte.

Am frühen Montagmorgen stand es 21:42 zwischen den Pittsburgh Steelers und den Kansas City Chiefs in der ersten Runde der NFL-Playoffs. Roethlisberger, Pittsburghs Football-Quarterback, stand auf dem Feld. Früher hatte er Spiele mit fast unmöglichen Szenen entschieden. Im Super Bowl 2006 gegen die Seattle Seahawks stürzte er sich mit 23 Jahren kopfüber in die Endzone und führte sein Team zum ersten Titel seit 1979. Drei Jahre später, mit 26 und ebenfalls im NFL-Finale, feuerte er einen unvergesslichen Pass mit nur 38 Sekunden auf der Spieluhr in die äußerste Ecke der Endzone, der den Sieg gegen die Arizona Cardinals bedeutete.

Dank dieser Momente wurde Roethlisberger »Big Ben« genannt.

Doch jetzt, gegen Kansas City, wirkte er klein. Es war schon alles verloren. Roethlisberger warf einen kurzen Pass auf seinen Mitspieler, der Ball kam an, brachte aber keine Punkte mehr. Pittsburgh verlor, schied aus den Playoffs aus. Und die Laufbahn eines der besten Football-Quarterbacks könnte nun leise enden.



football Ein Roethlisberger-Fan zeigt ein Plakat mit seinem Bild beim Spiel gegen Kansas: »Danke«


Ein Roethlisberger-Fan zeigt ein Plakat mit seinem Bild beim Spiel gegen Kansas: »Danke«


Foto: Ed Zurga / AP

Ben Roethlisberger ist mittlerweile 39 Jahre alt. Der Football hat seinen Körper über die Jahre verschlissen. Nach vielen Strapazen mit bis zu 50 Sacks pro Saison konnte Roethlisberger am Ende kaum noch spektakulär werfen oder laufen. Vielleicht hätten die Steelers sogar noch das Zeug für die nächste Runde der Playoffs gehabt – der schwer gealterte Ben Roethlisberger hatte es nicht mehr.

Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Star-Quarterback

Sein Denkmal aber hatte schon vorher schwer Schaden genommen. Zweimal wurde ihm Vergewaltigung vorgeworfen. Im Jahr 2008 soll er eine Hotelangestellte in Nevada missbraucht haben. Im Sommer 2009 machte die Frau die Vorwürfe öffentlich, wenige Monate nach dem zweiten Super-Bowl-Triumph der Steelers mit Roethlisberger.

Roethlisberger bestritt die Vorwürfe, mehr als drei Jahre später gab es eine außergerichtliche Einigung.


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2010 wurden erneut Vorwürfe erhoben, Roethlisberger soll eine Studentin in einem Klub in Georgia missbraucht haben. Eine Anklage wurde wegen fehlender DNA-Beweise nicht erhoben, wieder bestritt Roethlisberger alles. Der damals 28-Jährige setzte am Ende vier Spiele wegen Verstößen gegen die Verhaltensregeln der NFL aus.

Das renommierte US-Sportmagazin »Sports Illustrated« veröffentlichte damals eine Titelgeschichte über Roethlisberger, überschrieben mit »The Hangover«. Darin wurde ein verheerendes Bild eines arroganten, privilegierten Sportstars gezeichnet, der glaube, sich mit seiner Entourage schier alles erlauben zu können. »Weißt du überhaupt, wer ich bin?« Das soll laut »Sports Illustrated« Roethlisbergs Standardspruch gewesen sein.



football Roethlisberger bedankte sich bei seinen Fans nach dem Spiel gegen Baltimore Anfang Januar


Roethlisberger bedankte sich bei seinen Fans nach dem Spiel gegen Baltimore Anfang Januar


Foto: Evan Vucci / AP

Seine Berater richteten damals gegenüber dem Magazin aus, dass die Ereignisse ein Weckruf gewesen seien, nachdem sich Roethlisberger zu sehr in der Rolle des »Big Ben« verfangen habe. Der Superstar arbeitete an einem Imagewechsel, heiratete, bekam Kinder und sprach plötzlich öffentlich über seinen religiösen Glauben.

Als die Wurfkraft nachließ

Sportlich war er in den letzten Jahren nicht mehr der alte. Gezeichnet von Verletzungen entwickelte sich sein Spiel zurück. Er büßte unter anderem durch eine Ellbogenverletzung an Wurfkraft ein. Roethlisberger wurde langsam und steif. Er wirkte jetzt wie ein Ritter in einer rostigen Rüstung.

Das zeigen auch seine Daten: Brachten seine erfolgreichen Würfe 2010 noch einen durchschnittlichen Raumgewinn von 13,3 Yards, verringerte sich das zunehmend: 2016 waren es nur noch 11,6, 2021 sogar nur noch 9,6 Yards.

Nimmt man nur die Distanz, die Roethlisbergers Pässe in der Luft waren, wies in dieser Saison nur Jared Goff von den lange nicht konkurrenzfähigen Detroit Lions noch weniger auf.



football Bei seinem letzten Heimspiel gegen Cleveland wurde Roethlisberger im Stadion verabschiedet


Bei seinem letzten Heimspiel gegen Cleveland wurde Roethlisberger im Stadion verabschiedet


Foto: Don Wright / AP

Roethlisberger stellte sein Spiel um. Er wurde pragmatisch und wollte die Gegner durch sogenannte Quick Passes überraschen. Keiner warf den Ball schneller nach der Übergabe. Seinem Team aber half das nicht. Die Offensive der Steelers wurde dadurch eher unflexibler, berechenbarer.

Dennoch hielt Pittsburgh an Roethlisberger fest und Roethlisberger an seinem Traum vom dritten Titel. Mittlerweile war er schon zur Lachnummer im Internet geworden. Ein Video einer Spielszene, in der Roethlisberger den Ball wirft, dabei läuft und ohne Gegnerberührung zu Boden fällt, ging viral: »Big Ben ist so beweglich wie ein Baum«, hieß es. Das Ende war nah.

Kein offizielles Karriereende

Einzig die starke Defensive sorgte dafür, dass es die Steelers völlig überraschend noch in die Playoffs geschafft hatten, in einem verrückten Saisonfinale, in dem die Indianapolis Colts ihren Playoff-Platz durch eine Niederlage gegen das schlechteste Team der Liga aus Jacksonville an die Steelers verlor. Da hatte sich Roethlisberger schon von den Fans in seinem Stadion verabschiedet.

Ob er sich auf die Zeit nach seiner Karriere freue, wurde Ben Roethlisberger nach dem Spiel gegen Kansas gefragt. Er lächelte. Noch hat er seine Laufbahn nicht offiziell beendet. Das tat er auch nach dem Saison-Aus nicht. »Ich bin nervös«, sagte Roethlisberger nur. Der Übergang von der einen in die andere Lebensphase werde interessant. Aber wann das genau sein wird, sagte er nicht.

Nach 18 Jahren Profifootball fällt der Abschied schwer. Auch, wenn er schon vor ein paar Jahren begonnen hat.

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